Wintergerste:Fungizidbehandlung Wird Zunehmend Problematisch

Die Wintergerste ist die Getreidekultur Nummer 2 in Deutschland. Doch ihr Anbau wird schwieriger: Gründe sind Wirkstoffverluste im Pflanzenschutz sowie der Resistenzstatus bestimmter Wirkstoffe.

Die Wintergerste ist nach wie vor bei den Landwirten beliebt: Sie hat als Futterquelle große Bedeutung, zeichnet sich im Anbau durch sichere Erträge
aus und räumt den Acker früh.

Die Ertragssicherheit macht sie zur perfekten Vorfrucht für den Winterraps. Gegenüber Weizen benötigt sie eine geringere N-Düngung und ist somit bei gesamtbetrieblicher Betrachtung im Vorteil.

Die Ertragssicherheit macht sie zur perfekten Vorfrucht für den Winterraps. Gegenüber Weizen benötigt sie eine geringere N-Düngung und ist somit bei gesamtbetrieblicher Betrachtung im Vorteil.

Die Wintergersten-Anbaufläche schwankte über die letzten 10 Jahre nur gering und liegt für die Aussaat 2020 bei 1.337.900 ha. Die Top 3 Anbaugebiete sind Bayern, gefolgt von Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen (Abb. 01)

Wirkstoffverluste im Pflanzenschutz

Doch der relativen Vorzüglichkeit der Wintergerste steht die Pflanzenschutzproblematik auf Grund von Wirkstoffverlusten gegenüber. Für die Getreidekulturen bedeuten die neuen Cut-Off-Kriterien der EU vor allem eines: Die Zulassungen für Azole, die über Jahre als wirksamer Baustein einer erfolgreichen Fungizidbehandlung galten, werden höchstwahrscheinlich nicht erneuert.

  • Für diese Saison ein letztes Mal anwendbar sind Fenpropimorph-Präparate (Capalo,Juwel Top, etc.), Triadimenol-Produkte (Matador, Ceralo) und Chlortalonil (Amistar Opti und Zakeo Opti, anwendbar bis 20.05.2020).1
  • In 2020 nicht mehr anwendbar sind die Wirkstoffe Propiconazol (Gladio, Achat, Taspa, Cirkon) und Prochloraz in der Gerste (Kantik, Mirage, etc.).
  • Nimmt man die Wirkstoffverluste zusammen, wird schnell klar, dass die Fungizidbehandlung in der Wintergerste am stärksten betroffen ist. Die Tragweite wird im oben stehenden Diagramm ersichtlich (Abb. 02). Die Daten stammen aus unserem Getreidepanel 2017-2020.
  • Ohne die wichtigen Bausteine gegen Netzflecken (Prochloraz) und vor allem Ramularia (Chlortalonil ist der einzige Wirkstoff mit Wirkungsgraden um die 80%) wird die Behandlung bei stärkerem Befall zu einem Problem.
  • Der Resistenzstatus gegenüber Carboxamiden (Adexar, Elatus Era, etc.) ist weit fortgeschritten.
  • Gegen Netzflecken ist Prothioconazol (Proline, Curbatur, Input, etc.) noch sehr potent, gegen Ramularia wirkt es nur noch bedingt.
  • Für diese Saison ist Revysol (Wirkstoff: Mefentrifluconazol, Produkte: Revystar, Revytrex) die einzige Neuzulassung in der Gerste.2
  • In der Züchtung wurden leider noch keine passenden Antworten auf die Resistenzproblematik gefunden. Im Zuge des Resistenzmanagements und um in Zukunft noch annehmbare Wirkungsgrade zu erzielen, ist beim Pflanzenschutz daher auf einen strikten Wirkstoffwechsel zu achten.

Andreas Müller


  • Problematik Wintergerste Resistenzsituation der Fungizide verschärft sich
  • Wirkstoffverluste engen Behandlungsmöglichkeiten ein Demgegenüber stehen
  • wenige Neuzulassungen Kein züchterischer Fortschritt zu erwarten Wirkstoffwechsel beachten

1 Matthias Bröker, Hermann Hanhart, Top Agrar online; Fungizide 2020: Ausläufer und Newcomer

2 Petra Paffrath, Vera Schauhoff-Tholen, Daniela Röhling: Ratgeber Pflanzenbau und Pflanzenschutz, Ausgabe 2020, Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen