Aufwandmenge:

Je mehr, desto besser?

Die Bestimmung der richtigen Aufwandmenge von Pflanzenschutzmitteln gehört zur guten fachlichen Praxis in der Landwirtschaft. Dabei sollte der Wirkstoffaufwand immer auf das notwendige Maß begrenzt werden. Hierbei spielt zum Beispiel die Befallsstärke mit einem Schadorganismus eine Rolle, aber auch die Witterung kann einen Einfluss auf die angewendeten Aufwandmengen haben. Beim Hinzufügen von gelisteten Zusatzstoffen, die die Effizienz eines Mittels erhöhen, kann der Aufwand einiger Pflanzenschutzmittel ebenfalls reduziert werden. Solche Maßnahmen zur Reduzierung der Anwendungshäufigkeit und der Aufwandmengen senken die Kosten für den Pflanzenschutz und tragen gleichzeitig zur Risikominderung bei.

Immer wieder wird in den Medien und bei Umweltschutzorganisationen davon berichtet, dass in der Landwirtschaft unkontrolliert Pflanzenschutzmittel ausgebracht werden. Von den Herstellern wird für jedes Produkt eine Empfehlung für die Aufwandmenge gegeben. Diese Empfehlungen stammen aus Versuchen und Praxistests und sollen die optimale Bekämpfung der Schadorganismen garantieren. Für jedes Produkt gibt es allerdings auch eine maximale Aufwandmenge, die genutzt und nicht überschritten werden darf. Jeder Landwirt muss die angewendeten Produkte und deren Aufwandmengen dokumentieren.

In den jährlichen Befragungen der Kleffmann Group in verschiedenen Kulturen wird auch die Frage nach den Aufwandmengen für die jeweiligen Mittel gestellt. Bei der Auswertung dieser Daten ist zu erkennen, dass viele Landwirte versuchen, sogar unter den von der Industrie empfohlenen Aufwandmengen zu bleiben. In Deutschland hat die Kleffmann Group für die Kulturen Getreide, Raps und Mais im Jahr 2015 insgesamt 68.244 Nennungen zu Pflanzenschutzprodukten in den Segmenten der Fungizide, selektiven Herbizide und der Insektizide erfasst. In 28 Prozent dieser Fälle nutzten die Landwirte die Aufwandmenge, die vom Hersteller empfohlen wurde. Bei 60 Prozent der Produktnennungen gaben die Landwirte allerdings an, dass sie die Aufwandmengen reduziert haben und in nur 10 Prozent der Fälle wurde eine höhere Dosierung angewendet. In allen Fällen haben die Landwirte die maximal zugelassene Aufwandmenge aber nicht überschritten. Höhere Aufwandmengen werden dann genutzt, wenn bei ungünstigen Witterungsverhältnissen behandelt werden muss. Auch bei einem sehr hohen Schädlingsdruck oder bei drohenden Resistenzen kann die Aufwandmenge leicht erhöht werden.

Diese Zahlen unterscheiden sich aber deutlich nach den Segmenten. Für die Fungizide wurde in 16 Prozent der Fälle die empfohlene Menge genutzt, während bei 80 Prozent der Nennungen eine geringere Aufwandmenge angegeben wurde. Nur in 3 Prozent der Produktnennungen haben die Landwirte die Aufwandmenge erhöht (Abbildung 1). Wenn die Aufwandmengen niedriger gewählt wurden, wurden sie im Schnitt um 43 Prozent reduziert. Bei höheren Aufwandmengen waren es im Schnitt 26 Prozent mehr. 

Bei den selektiven Herbiziden liegt der Anteil der Produkte, die mit der empfohlenen Aufwandmenge ausgebracht wurden mit 23 Prozent etwas höher. Hierbei sind in 62 Prozent der Fälle die Aufwandmengen verringert und in 13 Prozent der Fälle sind die Dosierungen erhöht worden (Abbildung 2). Ein anderes Bild ergibt sich bei den Insektiziden. In diesem Segment wurde bei 77 Prozent der Nennungen die empfohlene Menge genutzt oder sogar etwas reduziert (Abbildung 3). Gerade das Segment der Insektizide gerät häufig in der Öffentlichkeit in die Kritik.

Abbildung 1: Fungizide

Produktnennungen: DE = 27.457, GB = 17.024, DK = 5.550, AT = 2.155 ,SE = 2.097

Abbildung 1: Selektive Herbizide

Produktnennungen: DE = 29.965, GB = 12.016, DK = 5.568, AT = 2.867,SE = 2.302

Abbildung 1: Insektizide

Produktnennungen: DE = 10.822, GB = 1.701, DK = 851, AT = 1.353, SE = 185

Auch im Vergleich einzelner Länder sind größere Unterschiede festzustellen. Vor Allem in Dänemark ist zu erkennen, dass die Landwirte die Aufwandmengen deutlich reduzieren. Wenn weniger eingesetzt wird, ist die Aufwandmenge im Schnitt um mehr als 60 Prozent reduziert worden. Dies liegt auch daran, dass es in Dänemark verschärfte Auflagen zum Einsatz von Pflanzenschutzprodukten gibt. Außerdem sind die Produkte sehr teuer und zusätzlich werden bestimmte Wirkstoffe sehr hoch besteuert. Allein durch die Steuer hat sich der Produktpreis in einzelnen Fällen verzehnfacht. Diese steigenden Kosten versucht der Landwirt mit der deutlichen Reduzierung der Aufwandmengen auszugleichen. Allerdings ergibt sich durch die dauerhafte Anwendung von nur noch sehr niedrigen Dosierungen das Problem der Entstehung von Resistenzen. Hinzu kommt, dass die Produkte nach Gefahrenklassen besteuert werden. Somit nutzt der Landwirt vor Allem die als weniger gefährlich eingestuften Wirkstoffe, die somit günstiger sind. Dies führt ebenfalls dazu, dass kein großer Wirkstoffwechsel vorhanden ist und somit die Resitenzbildung gefördert wird.

Ein gegenteiliges Bild ergibt sich in Großbritannien. Hier ist deutlich zu erkennen, dass die Landwirte in allen Produktgruppen eine höhere Aufwandmenge, als die empfohlene nutzen. Bei den Fungiziden ist dies bei 36 Prozent der Nennungen der Fall, bei den selektiven Herbiziden sind es schon 58 Prozent und bei den Insektiziden wurde in 80 Prozent der Produktnennungen eine höhere Aufwandmenge genannt. Nach dem Motto „viel hilft viel“ versuchen die Landwirte sich so an die meist etwas feuchtere Witterung anzupassen.

Fazit:

Abschließend lässt sich sagen, dass die Aufwandmengen von verschiedenen Rahmenbedingungen, wie der Witterung und der Nutzung von Tankmischungen abhängig sind. Aber auch politische Bestimmungen können, wie in Dänemark, einen großen Einfluss darauf haben.

Die Studien der Kleffmann Group zeigen, dass die Landwirte versuchen ihren Pflanzenschutz auf das nötige Maß zu beschränken, so wie es die gute fachliche Praxis vorsieht. Die Annahme, dass generell zu hoch dosiert wird, kann somit nicht bestätigt werden.

Für die sichere Produktion von Lebensmitteln ist es unabdingbar, dass Möglichkeiten zum Schutz der Kulturen verfügbar sind. Nur durch das Vorhandensein verschiedener Wirkstoffe, zwischen denen gewechselt werden kann, können Resistenzen effektiv vermieden werden. Dadurch können auch die Aufwandmengen geringer gehalten werden, da der Landwirt die entstandenen Resistenzen nicht durch höhere Aufwandmengen bekämpfen muss.

 

Autor:

Caroline Hufe

Project Manager

Kleffmann Group