Novellierung der Düngemittelverordnung: praxisgerecht?

Die geplante Novellierung der Düngeverordnung steht auf Seiten der Landwirte verstärkt in der Kritik. Das Bundesagrarministerium hat auf die Vorwürfe mit einer Überarbeitung des bisherigen Entwurfs reagiert.1

Das Agrarmarktforschungsunternehmen Kleffmann Group hat in 2015, in den jährlich durchgeführten Panelbefragungen, 997 Landwirte in Deutschland zu den geplanten Änderungen an der Düngemittelverordnung befragt und die Stimmungslage auf Seiten der Landwirte erfasst. Besonders stark werden die Verlängerung der Sperrfristen (22%), Erhöhung der Mindestlagerkapazität (12%) und verteilgenaue Ausbringungstechniken (11%) in Kreisen der Landwirte diskutiert. (Abb.1)

1. Welche geplanten Änderungen in der Düngemittelverordnung werden zurzeit in Ihrem Umfeld am stärksten diskutiert?

Dass Änderungen der Düngemittelverordnung im Gespräch sind, ist 88 Prozent der befragten Landwirte bekannt. Für Kritik sorgen insbesondere die Verlängerung der Sperrfristen für Gülle und Festmist (22%). Ein Drittel der Landwirte fühlen sich von der Verlängerung der Sperrfristen beeinträchtigt bzw. haben kein Verständnis für diese Gesetzesänderung. Während des Zeitraums in der die Ausbringung von Wirtschaftsdüngern verboten ist, muss das Fassungsvermögen des Lagers höher sein als die notwendige Kapazität. So ergibt sich eine Mindestlagerkapazität von sechs Monaten für Jauche, Gülle, Silagesickersäfte oder flüssige Gärrückstände.2 Von diesem Teil der Novellierung fühlen sich über 20 Prozent der befragten Landwirte beeinflusst. Mit knapp 40 Prozent der Landwirte, fällt die Akzeptanz für die Erhöhung der Mindestlagerkapazität am geringsten aus.

Die neuen Ausbringungstechniken geben den Landwirten gegenüber den herkömmlichen Breitverteilern die Möglichkeit die Ammoniak-Emissionen möglichst gering zu halten. Die Auflagen zur jeweiligen Verteil- und Dosiergenauigkeit beeinflussen mehr als ein Drittel der Betriebe. Da flüssige organische und organisch-mineralische Düngemittel auf Ackerland ab 2020 streifenförmig bzw. direkt in den Boden eingearbeitet werden müssen, werden einige Betriebe mit zusätzlichen Investitionen belastet. (Abb.2)

 

2. Wie stark beeinflussen die folgenden Eckpunkte der Novellierung Ihren Betrieb?

Für die Bedarfsermittlung zeigen die befragten Landwirte mit über 50 Prozent am meisten Verständnis. Hier sind vor Aufbringung der Nährstoffe in den Boden  die verfügbaren Nährstoffmengen von den Ackerbauern zu bestimmen. Für Stickstoff muss auf allen Flächen, außer auf Grünlandflächen, für den Zeitpunkt der Düngung eine Ermittlung durchgeführt werden. Für die Phosphatdüngung wird der Wert mindestens alle sechs Jahre auf Grundlage repräsentativer Bodenproben berechnet. Insgesamt liegt die jährliche Stickstoffobergrenze bei 170 Kilogramm pro Hektar. Die Obergrenzen für alle organischen und organisch-mineralischen Dünger mit zusätzlichen regional ausgeweiteten Sperrfristen sind auch wegen fehlender Differenzierung der Dünger (unterschiedliche N-Verfügbarkeiten) in der Kritik. (Abb.3)

 

3. Haben Sie Verständnis für die folgenden Änderungen?

Fazit

Die Befragung der Kleffmann Group zeigt deutlich, dass sich mehr als die Hälfte der Landwirte von den Änderungen der Düngemittelverordnungen betroffen fühlen. Die Landwirte sind der Meinung, dass für den Überschuss an Stickstoff in Deutschland 300.000 Hektar zusätzliche Ausbringungsflächen für Gülle und Gärreste fehlen. In dieser Menge sind die  Phosphatüberschüsse noch gar nicht berücksichtigt. Zukünftig müssen die Landwirte nach zusätzlichen Pachtflächen Ausschau halten oder überschüssige Nährstoffe  kostengünstig in Ackerbaugebiete verbringen. Das wiederum führt zu einer Steigerung der Produktionskosten.3 Die endgültige Neufassung der Düngemittelverordnung wird trotz einiger Zugeständnisse deutliche Auswirkungen auf die landwirtschaftliche Praxis verursachen.


Was beinhaltet die Novellierung der Düngemittelverordnung?

Ausnahme von den Sperrfristen

Für die Ausbringung von Stickstoffdüngemittel auf Ackerland greift bisher eine Sperrfrist von der Ernte der letzten Hauptfrucht bis zum 31. Januar. Auch die Sperrfrist auf Grünland soll zukünftig weiterhin den Zeitraum vom 1.11. bis 31.1. umfassen. Allerdings sind Ausnahmen von den Sperrfristen für Wintergetreide, Festmist und Kompost vorgesehen. Darüber hinaus soll in Gebieten mit hoher Nitratbelastung eine Länderöffnungsklausel für gesonderte Vorschriften beschlossen werden.

Erhöhung der Mindestlagerkapazität 

Für Jauche, Gülle, Silagesickersäfte oder flüssige Gärrückstände ist eine Lagerkapazität von mindestens sechs Monaten vorgesehen. Dagegen soll die Mindestlagerkapazität für Festmist, Kompost und feste Gärrückstände  von vier auf drei Monate reduziert werden. Für Betriebe in Gebieten mit hoher Nitratbelastung gelten strengere Anforderungen seitens der Länder. 

Effizienzsteigerung durch neue Ausbringungstechnik

Die vorgesehene Obergrenze von 170 Kilogramm Gesamtstickstoff je Hektar sowie das steigende Preisniveau für Stickstoffdünger machen den Einsatz organischer Dünger wirtschaftlich interessant. Investitionen in verlustarme Ausbringungstechniken wie dem Schleppschuh- und Schlitzverfahren werden deshalb ab 2020 auf Ackerland und ab 2025 auf Grünland als notwendig erachtet.

Quellen:

¹ BMEL, “Entwurf eines Gesetzes zur Änderung des Düngegesetzes“, http://www.bmel.de/SharedDocs/Downloads/Service/Rechtsgrundlagen/Entwuerfe/EntwurfDuengegesetz.pdf?__blob=publicationFile, 24.09.2015

² Deutsches Maiskomitee, „Stand der Novellierung der Düngeverordnung“, DMK Fachtagung, Osnabrück, http://www.maiskomitee.de/web/intranet/documentInfo.aspx?doc_guid=a116f830-6a1b-4067-84f0-eaa02eb29dc3, 24.09.2015

³ top agrar, „Düngeverordnung: Wohl alternativlos“, http://www.topagrar.com/news/Acker-Agrarwetter-Ackernews-Duengeverordnung-Wohl-alternativlos-1662877.html, 24.09.2015