New Media Tracker 2016

Landwirte sind online deutlich affiner als ihr Ruf –
75 Prozent der deutschen Landwirte sogar täglich online

Dank der Multifunktionalität hat sich das Internet zu einer Universalplattform für fast alle Bereiche entwickelt, so auch in der Landwirtschaft. Traktoren und Mähdrescher werden mittels Tablet gesteuert, das Herdenmanagement und die Zucht erfolgen mithilfe von Apps, Social Media wird für neue Strategieentwicklungen genutzt und Landmaschinen werden online bestellt.

Die Ergebnisse des New Media Trackers zeigen, dass heutzutage fast jeder Landwirt (95 Prozent) das Internet nutzt. Seit der ersten Befragung 2013 ist damit ein Anstieg der Internetnutzung unter den deutschen Landwirten von 8 Prozentpunkten zu verzeichnen. Hingegen nutzen im Vergleich lediglich 80 Prozent der Gesamtbevölkerung Deutschlands das Internet.¹

Auch die tägliche Internetnutzung der Landwirte wächst. 2013 war nur etwas mehr als die Hälfte der Internetnutzer im Agrarsektor täglich online, während im Jahr 2016 die Anzahl auf drei Viertel stieg. Die Hauptgründe, weshalb Landwirte das Internet täglich nutzen, sind der E-Mail-Account, Suchmaschinen und Messenger.

Die meisten Landwirte gehen mit ihrem PC online. Auch ist bei Landwirten der Gebrauch von Smartphones zum Surfen im Internet zwischen 2013 (20 Prozent) und 2015 (45 Prozent) signifikant gestiegen. Neben dem Smartphone ist auch das Tablet im Agrarsektor auf dem Vormarsch. Hier ist bei der Internetnutzung ein Anstieg von 8 Prozent (2013) auf 25 Prozent (2015) zu verzeichnen. Während der durchschnittliche Landwirt das Tablet hauptsächlich zum Surfen im Internet und zum Schreiben von Mails nutzt, wird das Smartphone häufiger zum Fotografieren und Nachrichtenverschicken verwendet. Außerdem bleibt das Telefonieren mit dem Smartphone beliebt. (Abb. 1)

Abb. 1: Geräte für den Onlinezugang

Befragte Landwirte 2013, die das Internet nutzen: 696; befragte Landwirte 2015, die das Internet nutzen: 784, Mehrfachnennungen möglich

Abb. 2: Apps für berufliche Zwecke

Befragte Landwirte 2015, die Apps nutzen: 305, Einfachnennung; Landwirte, die Apps für berufliche Zwecke nutzen: 249, Mehrfachnennungen möglich

Etwa die Hälfte der Landwirte, die ein eigenes Smartphone oder Tablet haben, verwenden Apps. Die große Mehrheit von ihnen nutzt Apps für professionelle Zwecke. Hierbei stehen Informationen und News an erster Stelle, gefolgt von Schädlings- und Unkrautkontrollen und Marktdaten. (Abb. 2)

Wenige Landwirte teilen in sozialen Medien ihre beruflichen Erfahrungen, aber viele suchen dort nach Informationen.

Von den Internet nutzenden Landwirten geben etwas mehr als ein Drittel an, in sozialen Netzwerken angemeldet zu sein. Im Vergleich zur Gesamtbevölkerung nutzen die Landwirte die verschiedenen sozialen Medien wie Facebook, Google+, Instagram, Xing, Twitter, Wikipedia und YouTube somit etwas häufiger täglich.

Je jünger die Landwirte, desto häufiger nutzen sie soziale Medien. Diese werden zumeist für private Zwecke oder kombiniert aus privaten sowie betrieblichen Gründen genutzt. Die betriebliche Nutzung ist unter den 35- bis 45- Jährigen am stärksten ausgeprägt. Die Landwirte suchen in Social Media überwiegend nach Meinungen zu Produkten, den Austausch von Erfahrungen sowie nach Preisvergleichen. Zudem ist ein großer Anteil in den sozialen Medien auf der Suche nach Beratung und Informationen über Veranstaltungen. Insgesamt posten oder teilt jedoch nur ein Drittel der Nutzer auch eigene Informationen. Im betrieblichen Bereich ist die Zahl noch geringer. (Abb. 3)

Abb. 3: Zweck der Nutzung von Sozialen Medien

Befragte Landwirte 2015, die das Internet nutzen: 786, Einfachnennungen, n = Anzahl der Befragten

E-Commerce ist bei den Landwirten angekommen, jedoch nicht in jedem Produktbereich.

Der E-Commerce-Markt generiert ein stetiges Wachstum, denn das Internet ist für Einkäufe bereits ein anerkannter und zunehmend relevanter Kanal.²

So zeigen die Ergebnisse des New Media Trackers, dass ein Großteil der Landwirte schon online für private oder geschäftliche Zwecke eingekauft hat. Lediglich 17% geben an, noch nie online geshoppt zu haben.

 

Beim Onlineeinkauf spielen für die Landwirte der Komfort und die Unabhängigkeit eine große Rolle. Neben den Gründen für einen Onlinekauf wurden auch die Gründe gegen einen Onlinekauf unter den Nicht-Nutzern erhoben. Für deutsche Landwirte sind speziell das Vertrauen zu lokalen Händlern sowie die einhergehende persönliche Beratung Beweggründe für den Verzicht auf das Onlineshopping. (Abb. 4)

Abb. 4: Gründe für den Onlinekauf

Basis Hauptgründe: Landwirte, die online einkaufen: 684, Mehrfachnennungen möglich; Landwirte, die online nicht einkaufen: 237, Mehrfachnennungen möglich

Der Bereich E-Commerce des New Media Trackers umfasst u. a. die Häufigkeiten und Gründe eines betrieblichen Onlineeinkaufs. Durchschnittlich haben die befragten Landwirte in den letzten 12 Monaten 19 Mal online eingekauft. Die Ergebnisse zeigen, dass betriebliche Onlinekäufe unter den deutschen Landwirten besonders in den Bereichen Maschinen/Ersatzteile, Arbeitskleidung, Bürozubehör und Werkzeug anfallen. Seltener werden Saatgut, Pflanzenschutz und Düngemittel über das Internet bestellt, da es hier deutliche Vorbehalte aufgrund der fehlenden Beratung sowie der rechtlichen Bestimmungen gibt. (Abb. 5)

Abb. 5: Berufliche Onlinekäufe

Befragte Landwirte 2015, die das Internet nutzen: 786, Einfachnennungen, n = Anzahl der Befragten

Abschließend kann festgestellt werden, dass das Internet einen festen Bestandteil im Agrarsektor darstellt. Insbesondere die große Akzeptanz, das Internet beruflich zu nutzen, zeigt, dass Landwirte viele Vorteile aus der Onlinepräsenz von Agrarunternehmen ziehen. So wird das Internet, speziell E-Commerce, überwiegend effizient für berufliche Zwecke genutzt. Zudem zeigen die Ergebnisse, dass die Internetnutzung unter den Landwirten höher ist als die der Bevölkerung. Interessant wird der Vergleich der erstmalig durchgeführten E-Commerce-Nutzung 2016 mit den nächsten Ergebnissen des New Media Trackers werden. 

 

Author:

Sonja Gartzke

Junior Product Manager

Kleffmann Group


Hintergrund New Media Tracker

Mittels der „New Media Tracker“-Studie wird seit 2013 weltweit das private und berufliche Internetverhalten von Landwirten ermittelt. Neben der App-Nutzung zählen dazu insbesondere die Bereiche Social Media und neuerdings auch der Aspekt E-Commerce.

In der ersten Welle im Jahr 2013 wurde die Internetnutzung in der Tschechischen Republik, Slowakei, Ukraine, in Polen, Deutschland, Frankreich, UK, Italien, Brasilien und Indien erfasst.

In der aktuellen Befragung 2016 wurden bereits 821 deutsche, 800 argentinische Landwirte sowie 500 Landwirte aus der Ukraine zu ihrer Onlinenutzung befragt und weitere Länder folgen. 

 

Sources:

1. Cf. Frees, Beate, Koch, Wolfgang: „Ergebnisse der ARD/ZDF-Onlinestudie 2015, Internetnutzung: Frequenz und Vielfalt nehmen in allen Altersgruppen zu“, in: Media Perspektiven 09/2015, S. 367.

2. Cf. Ecommerce Europe: “Central Europe B2C E-commerce Report 2015”, 2015, S. 36.